Drei Stunden Stau vor dem Gotthard, und auf dem Rücksitz ist es auf die Art still geworden, die entweder Schlaf bedeutet oder Farbstifte. Diesmal waren es Farbstifte. Irgendwo hinter Erstfeld reichte mein Sohn eine Zeichnung zwischen den Sitzen nach vorn: unser Auto, gezeichnet als Kiste mit fünf Rädern, in einer Schlange aus anderen Kisten. Eine Sonne mit Sonnenbrille. Alle im Auto schreien offenbar.
Diese Zeichnung ist ein ehrlicherer Bericht von diesem Tag als die vierzig Fotos auf meinem Handy. Die Fotos zeigen die Gotthard-Raststätte fast malerisch. Die Zeichnung zeigt, wie sich der Tag wirklich angefühlt hat.
Fotos zeigen, wo ihr wart. Zeichnungen zeigen, wie es war.
Wir machen im Urlaub hunderte Fotos, und die meisten sind dasselbe Foto: Kinder vor einer Sehenswürdigkeit, blinzelnd. Frag dein Kind, ob es den letzten Sommer in diesen Fotos wiederfindet — es zuckt mit den Schultern.
Aber eine Urlaubszeichnung ist die Reise, verarbeitet von der Person, um die es geht. Das Hotelzimmer mit absurd riesigen Betten, weil die Betten das Beste waren. Der Strand mit neunzehn Quallen, weil eine Qualle grossen Eindruck gemacht hat. Omas Hund, grösser als Oma. Kinder zeichnen nicht, wie ein Ort aussah — sie zeichnen, was daran wichtig war. Das ist kein schlechterer Bericht als ein Foto. Es ist ein besserer.
Und es ist das einzige Reisetagebuch, das ein Vierjähriger führen kann. „Heute sind wir ewig gefahren und ich habe eine Burg gesehen“ kann er nicht schreiben. Aber zeichnen — und das tut er, ständig: auf Menükarten-Rückseiten, auf Hotel-Notizblöcken, in das Skizzenheft, das du in letzter Minute eingepackt hast.
Unterwegs: nicht sortieren, nur nicht verlieren
Was ich gelernt habe, NICHT zu tun: unterwegs kuratieren. Du wirst um 21 Uhr im Hotelzimmer keine Zeichnungen sortieren, und du solltest es auch nicht versuchen.
Zwei Gewohnheiten reichen:
Die Zeichnung noch am selben Tag fotografieren. Nicht kunstvoll — einfach flach aufs Hotelbett oder den Cafétisch, von oben, ordentliches Licht. Dreissig Sekunden. Das Papier-Original überlebt den Fussraum, die Strandtasche oder das umgekippte Rivella vielleicht nicht — und es trifft immer ausgerechnet die guten. Einmal fotografiert, ist alles Weitere egal.
Ein Couvert ins Handschuhfach. Alles, was noch auf Papier existiert, kommt beim Packen hinein. Nicht sortiert, nicht geglättet, nur beisammen. Das Couvert kommt heim; lose Zeichnungen nie.
Das ist das ganze System. Schwer ist nicht der Aufwand, sondern das Dran-Denken — häng es an etwas, das du sowieso täglich tust, etwa das Handy-Laden am Abend.
Zuhause: aus dem Stapel wird ein kleines Buch
Das Couvert kommt dick gefüllt heim, dazu die Zeichnungen vom Campingplatz und von Oma, und jetzt liegt ein Sommerstapel auf dem normalen Stapel. Das ist der Moment, in dem das meiste davon still im Altpapier landet — sechs Wochen später, mit schlechtem Gewissen, im Sack nach unten gedrückt, damit es niemand sieht.
Es gibt ein schöneres Ende. Setz dich mit deinem Kind hin — ein Nachmittag, wenn die Ferienwäsche durch ist — und wählt gemeinsam aus. Welche erzählen die Geschichte dieses Sommers? Zehn oder fünfzehn, nicht fünfzig. Das Auswählen ist der beste Teil: Dein Kind kommentiert jede einzelne Zeichnung, und du erfährst Dinge über euren eigenen Urlaub, die du verpasst hast. Die Quallen-Sache war offenbar deutlich grösser, als du wusstest.
Aus den zehn oder fünfzehn wird das Sommerbuch — die Reise, nacherzählt von der Person, die sie am intensivsten erlebt hat. Neben dem Fotoalbum mit dem Geblinzel ist es das Buch, das die Kinder tatsächlich aus dem Regal ziehen.
Wo Scribbly hilft (und wo nicht)
Das Fotografieren ist genau das, was Scribbly macht: Du fotografierst eine Zeichnung mit der App, der Hotelteppich im Hintergrund wird automatisch entfernt, und zuhause ist alles nach Kind und Datum sortiert. Die App ist gratis — unbegrenzt viele Zeichnungen, kein Abo. Wenn ihr bereit für das Sommerbuch seid, ist das ein gedrucktes Produkt, das du einmal bestellst — ab etwa dem Preis eines Pizzaabends.
Aber ehrlich: Das Couvert im Handschuhfach braucht keine App. Fang dort an. Es geht nicht ums Werkzeug — es geht darum, dass die Zeichnung aus dem Stau, die mit den fünf Rädern und den schreienden Insassen, im Februar noch existiert.
