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Warum wir Scribbly gebaut haben

Die Geschichte hinter der App. Drei Schuhkartons, ein schlechtes Gewissen und die Frage: Warum gibt es dafür keine Lösung?

Der Moment

Es war ein Sonntagabend. Mein älterer Sohn hatte am Nachmittag gemalt, wie immer nach dem Mittagessen. Drei Bilder lagen auf dem Küchentisch, zwei hingen schon am Kühlschrank, und im Rucksack steckte noch ein zerknittertes Blatt von der Kita.

Der Kühlschrank hatte Schichten. Wie geologische Formationen. Unter dem heutigen Bild eines lila Hundes lag ein Regenbogen von letzter Woche, darunter ein Familienbild, auf dem ich gleich gross bin wie die Katze. Wir haben keine Katze.

Ich stand in der Küche und dachte: Das kann ich nicht wegwerfen. Aber so kann ich auch nicht weiterleben.

Was ich zuerst versucht habe

Zuerst die Kamerarolle. Foto machen, fertig. Nach drei Monaten hatte ich 200 Bilder zwischen Einkaufszetteln, Screenshots und Mittagessen-Fotos. Ich konnte nichts mehr finden.

Dann ein Ordner auf dem Laptop. „Kinderbilder 2024”. Genau einmal etwas reinkopiert. Nie wieder reingeschaut.

Physische Mappen? Gekauft. Zwei Stück. Stehen im Keller. Eine ist inzwischen leicht feucht. Zürcher Kellerluft und Temperafarbe vertragen sich nicht.

Artkive hab ich mir angeschaut. Amerikanischer Dienst, man schickt die Bilder per Post ein. Ab 45 Dollar pro Karton. Für einen Schweizer mit zwei Kindern, die täglich malen, wird das teuer. Und die Bilder erst per Post verschicken? Nein.

Der Kern des Problems

Was mir auffiel: Es gibt zwei Arten von Eltern. Die, die alles aufheben und irgendwann den Überblick verlieren. Und die, die regelmässig ausmisten und sich Jahre später fragen, was sie weggeworfen haben.

Beide haben recht. Und beide haben ein schlechtes Gewissen.

Das eigentliche Problem ist nicht der Platz. Es ist die Entscheidung. Jedes Bild wegzuwerfen fühlt sich an, als würdest du einen Moment wegwerfen. Selbst wenn es die fünfte Sonne diese Woche ist.

Was Scribbly anders macht

Die erste Idee war simpel: Ich fotografiere das Bild, und mein Code entfernt den Küchentisch aus dem Hintergrund. Übrig bleibt nur die Zeichnung, sauber freigestellt.

Ich bin Entwickler. Also hab ich das an einem Wochenende gebaut. Erst für mich. Dann hab ich’s einer Freundin gezeigt, die auch Kinder in der Kita hat. Sie wollte es sofort haben.

Die Grundidee war einfach: Aufnehmen soll 10 Sekunden dauern, nicht 10 Minuten. Handy draufhalten, Foto machen, die KI entfernt den Hintergrund, das Bild landet in der Galerie deines Kindes. Fertig.

Kein Sortieren in der Kamerarolle. Kein Einkleben in Alben. Kein Abo, das du nach drei Monaten vergisst zu kündigen.

Der Hintergrund-Entferner hat mich Monate gekostet. Wasserfarben waren der Endgegner. Ein vierjähriger Pinselstrich ist offenbar schwieriger zu erkennen als ein medizinischer Scan. Demütigend, aber lehrreich.

Dann kamen Fotobücher. Weil: die Bilder digital zu haben ist schön, aber ein Buch auf dem Couchtisch, durch das die Kinder selber blättern, ist besser. Mein Sohn hat sein erstes Erinnerungsbuch an seinem fünften Geburtstag bekommen. Er hat jede Seite kommentiert.

Was ich daraus gelernt habe

Erstens: Kinder sind pragmatischer als wir. „Das? Nee, das kannst du wegmachen” kommt öfter als man denkt. Es sind wir Eltern, die am Papier hängen.

Zweitens: Die Beschriftung auf der Rückseite ist wertvoller als das Bild selbst. „Das bist du, Papa, mit dem Hund. Wir haben keinen Hund.” Das willst du in 20 Jahren lesen.

Drittens: Es gibt ein Fenster, das sich schliesst. Die Bilder mit drei sehen komplett anders aus als mit fünf. Die Kreismenschen ohne Hals, die schwebenden Häuser, die Sonnen mit Gesicht. Das kommt nicht wieder. Die Forschung dahinter haben wir in Warum Kinder aufhören zu zeichnen (und warum es wichtig ist) zusammengefasst.

Wo wir stehen

Scribbly ist kostenlos, läuft auf iOS und im Web, und ist auf Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch verfügbar. Du zahlst nur, wenn du etwas Gedrucktes bestellst. Ein Erinnerungsbuch, einen Kunstdruck, eine Postkarte.

Es gibt keinen Businessplan. Kein Investorengeld. Kein Launch-Event. Schweizer Gründer-Ansatz: Etwas bauen, das funktioniert. Einen fairen Preis verlangen. Nicht darüber reden, als hätte man das Rad neu erfunden.

Und du?

Wenn du drei Schuhkartons unter dem Bett hast: Hier entlang. Die App ist kostenlos und du brauchst keine 5 Minuten, um anzufangen. Und falls du nicht sicher bist, wie du die Kunstwerke am besten fotografierst, bevor du den Tisch abräumst, haben wir auch dazu eine Anleitung geschrieben.

Und wenn du nur einen einzigen Tipp von mir willst: Beschrifte die Rückseite. Name, Alter, Datum, und was dein Kind dazu gesagt hat. Das ist in 20 Jahren mehr wert als das Bild selbst.

Bereit, die Kunstwerke Ihres Kindes aufzubewahren?

Starten Sie noch heute Ihre kostenlose Galerie.