Jedes Jahr, ungefähr zwei Wochen vor Muttertag, kaufe ich Schaumstoffherzen, Filz und ein Päckchen Wackelaugen. Meine Kinder schauen zu, während ich Formen ausschneide. Dann gebe ich ihnen einen Klebestift und zeige, wo sie ihn hindrücken sollen. Am Ende wickeln wir das Ganze ein und nennen es ihr Geschenk.
Manchmal frage ich mich, von wem dieses Geschenk eigentlich ist.
Das Geschenk liegt schon da
Mein Jüngerer zeichnet jeden Tag nach der Kita. Nicht weil ihn jemand darum bittet. Weil er will. Bis Muttertag kommt, hat er in den letzten sechs Wochen allein ungefähr vierzig Sachen gemalt. Bilder, Zeichnungen, Collagen aus allem, was er im Papierkorb gefunden hat.
Das ist das Geschenk. Nicht das Schaumstoffherz, das ich gerade zusammenklebe.
Das Problem ist: Eltern greifen nicht zu den fertigen Zeichnungen, weil sie sich nicht “genug” anfühlen. Ein Stapel Bilder in der Ecke sieht nicht aus wie ein eingepacktes Geschenk. Er sieht aus wie ein Stapel.
Aber dieser Stapel, sorgfältig ausgewählt und richtig präsentiert, ist persönlicher als alles in einem Bastelset. Es ist ihr echtes kreatives Werk: ihre Entscheidungen, ihre Farben, ihre schrägen Ideen. Keine Vorlage aus dem Laden.
Warum eine echte Zeichnung anders ankommt als ein Bastelprojekt
Wenn eine Mutter ein Bastelobjekt bekommt, erkennt sie meistens genau, welche Teile ihr Kind gemacht hat und welche der Vater in Stille gebastelt hat, während die Kinder Sendung geschaut haben. Die Glitzerkarte ist süss. Sie weiss, wer die Schere in der Hand hatte.
Wenn sie eine Zeichnung bekommt, die ihr Kind ganz allein gemacht hat (eine lila Katze, ein Haus mit vierzig Fenstern, ein Selbstporträt mit zu vielen Fingern), gibt es keinen Zweifel. Das ist rein von ihr.
Das Bastelprojekt ist eine Inszenierung von Aufmerksamkeit. Die Zeichnung ist einfach Aufmerksamkeit.
Eines davon ist Aufführung. Das andere ist der Beweis, wer dein Kind gerade ist, in diesem Alter, in diesem merkwürdigen Fenster, das nicht lange offen bleibt.
Wie Kinder wirklich am Geschenk beteiligt werden können
Die Kunst ist da. Was fehlt, ist die Präsentation. Eine Zeichnung, die als loses Blatt übergeben wird, ist immer noch eine Zeichnung. Dieselbe Zeichnung mit Absicht überreicht (eingerahmt, in einem Buch oder in einem kleinen Album) wird zum Geschenk.
Wie du das Kind einbeziehst, statt alles selbst zu machen:
Aussuchen lassen. Setz dich zusammen hin und bitte das Kind, fünf bis zehn Zeichnungen auszuwählen, die es verschenken möchte. Es wird eine Meinung haben. Kinder haben immer sehr klare Vorstellungen davon, welche ihrer Werke gut sind, welche nicht und was das Beste ist. Das Aussuchen selbst ist echte Beteiligung.
Ein Buch daraus machen. Genau dafür habe ich Scribbly gebaut. Du fotografierst die ausgewählten Zeichnungen, die App entfernt den Küchentisch vom Hintergrund, und du arrangierst alles zu einem Hardcover-Buch. Das Kind sieht seine Zeichnungen auf sauberen weissen Seiten, wie ein echtes gedrucktes Buch. Es übergibt es selbst. Es ist unbestreitbar seins.
Eine einrahmen. Das Kind wählt die Zeichnung aus, auf die es am stolzesten ist. Drucken. Einrahmen. Zwölf Franken bei IKEA. Die Arbeit des Kindes, präsentiert wie etwas, das es wert ist gezeigt zu werden. Denn das ist es.
Die Präsentation sagt: Ich hab darüber nachgedacht. Und ich hab entschieden, dass deine Kunst gut genug ist, sie richtig zu zeigen.
Was bis Sonntag noch geht
Muttertag in der Schweiz, Deutschland und Österreich ist diesen Sonntag, dem 10. Mai. Was je nach verfügbarer Zeit noch realistisch ist:
Bestellen bis Mittwoch oder Donnerstag. Ein gedrucktes Fotobuch kann noch rechtzeitig ankommen, wenn du in den nächsten ein bis zwei Tagen bestellst. Standard-Druck und -versand innerhalb der DACH-Region dauert einige Werktage. Prüf das geschätzte Lieferdatum bei der Bestellung, es variiert je nach Zielort. Nach Donnerstag wird es für eine Lieferung vor Sonntag eng.
Die Diashow für Sonntagfrüh. Zwanzig der besten Zeichnungen aus der Kamerarolle, in chronologischer Reihenfolge, am Frühstückstisch übergeben. Es funktioniert, weil ein Jahr Entwicklung in einer Sitzung zu sehen wirklich etwas auslöst. Das physische Geschenk kann später nachkommen. Die Diashow ist der Beweis, dass jemand aufgepasst hat.
Eine Zeichnung beim Fotolabor drucken. Wenn du eine einzige Zeichnung einrahmen möchtest: Sofortdruck gibt es an Fotokiosken in den meisten Städten. Eine Zeichnung als 20x30 cm Druck, eingerahmt in einen günstigen Rahmen, sieht aus wie etwas aus einer Galerie. Weil sie das auch ist.
Worum es eigentlich geht
Nach ein paar Muttertagen als Vater weiss ich: Das Geschenk, das meiner Frau wirklich etwas bedeutete, war nicht der Gegenstand. Es war der Beweis, dass ich aufgepasst hatte: dass ich die Zeichnungen bemerkt hatte, dass ich fand, sie seien es wert aufzubewahren, und dass ich sie ernst genug genommen hatte, um etwas daraus zu machen.
Das Bastelprojekt sagt: Ich hab eine Vorlage gefunden, die nett aussah.
Die Zeichnung sagt: Ich hab etwas gemacht. Und ich hab beschlossen, es dir zu geben.
Deine Kinder machen es schon. Das Einzige, was noch fehlt, ist ihnen zu zeigen, dass es das Geben wert ist.
Wenn du Kunstwerke zum ersten Mal fotografierst, erklärt Kinderkunst richtig fotografieren, wie es gut aussieht. Und wenn du überlegst, was in welchem Alter aufbewahrenswert ist, hilft Kleinkind-Kritzeleien vs. Schulkind-Kunst dabei.