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Das Muttertagsgeschenk liegt schon auf deinem Handy

Du fotografierst seit einem Jahr die Zeichnungen deiner Kinder. So machst du aus den Handyfotos ein Geschenk, das wirklich etwas bedeutet.

Drei Schuhkartons im Keller. Ein Stapel auf dem Küchentisch, der immer weiter wächst. Der Kühlschrank so voll mit Zeichnungen, dass die Magnete längst aufgegeben haben.

Wenn es bei euch ähnlich aussieht wie bei uns letzten Frühling, dann sitzt du auf etwas, ohne es zu merken.

Der Stapel ist das Geschenk

Letzten April hab ich auf meinem Handy nach einem Osterfoto gesucht. Was ich stattdessen fand: 247 Fotos von Zeichnungen. Temperafarben-Katzen. Wachsmalstift-Raketen. Ein Aquarell-”Familienporträt”, in dem alle sieben Finger haben und mein Kopf ein Dreieck ist.

Ich hatte sie fast täglich geknipst. Nach der Kita, nach den Bastel-Sessions am Wochenende, jedes Mal wenn mein 4-Jähriger sagte: “Papa, lueg.” Einfach ein schnelles Foto, bevor die Zeichnung auf den Stapel kam.

Mit den Fotos hatte ich nichts gemacht. Die lagen einfach zwischen Einkaufslisten und verwackelten Spielplatzfotos.

Aber als ich sie der Reihe nach durchscrollte, bemerkte ich etwas, das mir in Echtzeit entgangen war: wie sehr sich seine Zeichnungen in einem einzigen Jahr verändert hatten. Die Menschen bekamen Hälse. Die Sonnen bekamen Strahlen. Die Hunde fingen an, wie Hunde auszusehen statt wie Kartoffeln.

Ein Jahr Entwicklung, dokumentiert in Wachsmalstift. Und es war die ganze Zeit auf meinem Handy.

Da hat es klick gemacht: Das beste Muttertagsgeschenk aus Kinderkunst ist nichts, das man kauft oder bastelt. Es ist etwas, das du schon hast.

Du brauchst kein Bastelprojekt

Jeder Muttertags-Geschenkeratgeber sagt dir, du sollst was basteln. Handabdruck-Schmetterlinge. Bemalte Tassen. Fingerabdruck-Ketten. Alles schön und gut, braucht aber einen Nachmittag, abwaschbare Farbe und ein Mass an Geduld, das ich samstags selten aufbringe.

Aber die Fotos sind schon da.

Wenn du das machst, was die meisten Eltern machen, also kurz ein Foto knipsen, bevor das Bild ins Altpapier wandert, dann hast du bereits das Rohmaterial. Persönlicher als alles im Laden.

Drei Optionen, sortiert nach Aufwand

Option 1: Die Diashow (5 Minuten). Erstell ein Album auf deinem Handy. Wähl 20 bis 30 der besten Bilder in chronologischer Reihenfolge. Gib das Handy am Muttertagmorgen deiner Partnerin und sag: “Schau mal.” Es funktioniert, weil die Entwicklung der Punkt ist. Kein Produkt nötig.

Option 2: Das gedruckte Buch (20 Minuten). Nimm dieselben Fotos und mach ein Fotobuch daraus. Die Hintergrundentfernung macht hier den Unterschied. Eine Zeichnung, die auf dem Küchentisch fotografiert wurde, sieht nach Schnappschuss aus. Eine Zeichnung auf einer sauberen weissen Seite sieht nach Kunst aus. Was sie auch ist.

Dafür hab ich Scribbly ursprünglich gebaut. Zeichnung fotografieren, die App entfernt den Küchentisch, und du arrangierst alles in einem Hardcover-Buch. Zwanzig Minuten, wenn du die Fotos schon hast. Hast du.

Option 3: Die Galeriewand (1 Stunde). Wähl 6 bis 8 Favoriten. Lass sie als einzelne Karten oder kleine Drucke anfertigen. Rahm sie ein. IKEA verkauft Mehrfachrahmen-Sets für unter 20 Franken. Eine Wand mit der Kunst deiner Kinder, von dir kuratiert, ist ehrlich gesagt eines der durchdachtesten Geschenke, die man jemandem machen kann.

Für keine dieser Optionen brauchst du Glitzer, Farbe oder einen Nachmittag, den du nicht hast. Nur die Fotos, die schon auf deinem Handy sind.

Die Version, über die niemand redet

Was ich nach drei Muttertagen als Vater gelernt hab: Das Geschenk, das meiner Frau wirklich etwas bedeutete, war nicht der Gegenstand. Es war der Beweis, dass ich aufgepasst hatte.

Die Diashow funktionierte, weil sie zeigte, dass ich die Zeichnungen bemerkt hatte. Das Buch funktionierte, weil es zeigte, dass ich sie aufbewahrt hatte. Die Wand funktionierte, weil sie zeigte, dass ich sie für rahmenswürdig hielt.

Das Medium ist ziemlich egal. Der Beweis der Aufmerksamkeit zählt.

Timing

Muttertag ist dieses Jahr am 10. Mai in der Schweiz, Deutschland und Österreich. In Frankreich am 25. Mai. Wenn du das hier vorher liest, hast du Zeit. Wenn du das am 9. Mai um 23 Uhr liest, ist die Diashow dein Freund.

Was rein soll und was nicht

Nicht jede Zeichnung muss es schaffen. Ich würde die Arbeitsblätter aus der Schule weglassen (innerhalb vorgezeichneter Linien ausmalen ist nicht wirklich ihre Kunst). Konzentrier dich auf die Bilder, bei denen sie das Motiv, die Farben und die Komposition selbst gewählt haben.

Ein paar Kategorien, die immer funktionieren:

  • Die “Familienporträt”-Serie. Jedes Kind malt die. Und sie verändern sich alle paar Monate. Nebeneinander aufgereiht sind sie eine Zeitleiste, wie dein Kind die Welt sieht.
  • Saisonale Zeichnungen. Der Osterhase, der Weihnachtsbaum, der Geburtstagskuchen. Sie verankern das Jahr.
  • Die schrägen. Die lila Kuh. Das Haus mit 40 Fenstern. Das Selbstporträt, in dem sie sich einen Schwanz verpasst haben. Das sind die, über die man in fünf Jahren lacht.

Widersteh dem Mengen-Impuls. Zwanzig grossartige Bilder erzählen eine bessere Geschichte als sechzig mittelmässige.

Wenn du nicht sicher bist, was in welchem Alter aufbewahrenswert ist, haben wir einen Leitfaden geschrieben: Kleinkind-Kritzeleien vs. Schulkind-Kunst: Was man wann aufhebt. Und für Tipps, wie die Fotos wirklich gut aussehen, lies Kinderkunst richtig fotografieren.

Fang mit dem an, was du hast. Dein Handy ist schon voll mit einem Jahr kleiner, schöner Dinge, die jemand für dich gemacht hat. Das ist das Geschenk.

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